TTT im Challenger Vany V114

Wie versprochen hier nun die Dokumentation zum Umbau eines Campervans auf Basis Fiat Ducato Marke Challenger, Typ Vany V114. Dieses dürfte baugleich sein mit zahlreichen weiteren Marken aus dem Hause Trigano (z.B. Chausson v594).

1. Raus mit der Kassettentoilette

Blick in das Kassettenfach von außen durch die Serviceklappe. 4 Schrauben am Boden habe ich bereits entfernt. Oben sieht man die restlichen Schrauben, die von Dekorpflastern verdeckt waren. Die müssen auch noch raus.

In unserem Fall waren es 10 Schrauben – 4 am Boden und 6 an der Zwischenwand. Die Silikonabdichtungen haben eher optische als funktionale Bedeutung. Sind die o.g. Schrauben erst mal entfernt lässt sich die gesamte Einheit quasi von selber entnehmen.

Zuvor müssen allerdings noch der Wasserschlauch und die Kabel entfernt werden. Zuerst die beiden Stecker des Magnetventils (oranger Pfeil) abziehen und die Kunststoffschelle (grüner Pfeil) lösen, die den Schlauch fixiert. Das Magnetventil lässt sich leicht nach unten abziehen. Danach löst man den Schraubanschluss (roter Pfeil). Hier am besten ein Tuch/Lappen bereit halten – es kommt auch bei leerem Tank immer etwas Frischwasser heraus. Abschließend noch die Verkabelung des Schalters des SOG Systems kappen.

Danach kann vom Badezimmer aus die gesamte Einheit entnommen werden. Sollte es noch irgendwo haken oder sich nicht leicht entnehmen lassen, lieber noch mal nachschauen (Kabel vergessen? Schlauch verhakt? Schraube?). Es braucht definitiv keine Kraft/Gewalt um die Thetford von ihrem Arbeitsplatz zu entfernen.

10 Minuten, länger braucht es nicht bis das Chemieklo ausgebaut war.
So sieht es danach im Bad aus – der Platz der Thetford ist deutlich zu erkennen. Es klafft dort nun eine „Durchreiche“ zur Serviceklappe.

2. Vorbereitungen für die BioToi

Im nächsten Schritt müssen wir nun den Boden angleichen und das Loch in der Wand verschließen. Ich habe dafür u.a. die 9 Schrauben der Thetford weiter verwendet. Sie passten sehr gut von der Länge und sind aus rostfreiem Edelstahl. Außerdem weiß ich dann wo die Schrauben sind, falls es mal notwendig werden sollte (warum auch immer) zurückzubauen.

Als erstes habe ich eine einfache Unterkonstruktion aus Vierkanthölzern auf den Boden geschraubt. In unserem Fall müssen wir rund 6cm Höhe ausgleichen.

Eine U-förmige Unterkonstruktion aus 40mm Vierkantholz die saugend unter die Duschtasse passt und diese perfekt abstützt.

Danach habe ich eine Schablone aus Pappe angefertigt, die den Ausschnitt im Boden abbildet. Dafür ein Stück Pappe einfach auf den Rand des Ausschnitts drücken und von oben die Konturen mit einer Rolle oder einem Schraubendrehergriff abfahren. Damit drückt man den Rand der Öffnung in den Karton und erhält so eine prima Schablone.

Übertragen wurde dies dann auf 20mm Siebdruckplatte. Man kann aber auch andere Materialien verwenden. Sie sollten nur stabil und unempfindlich gegen Feuchtigkeit sein. Gegebenenfalls muss man mit entsprechenden Anstrichen vorsorgen.

Tipp: Ich würde hier keine Spanplatte verwenden. Spanplatten neigen meiner Erfahrung nach zum „ermüden“, d.h. sie werden irgendwann bröselig was in einem Fahrzeug mit Vibrationen und Verschränkungen zu Problemen führen kann.

Das Formteil habe ich dann mit einer Stichsäge ausgeschnitten und hier und da noch angepasst bis es schlussendlich „saugend“ in der Öffnung saß.

Die Schraubenlöcher habe ich angesenkt, damit sich nichts durchdrückt wenn die Abschlussplatte aufgeklebt wird. Eine erste Silikonnaht dichtet die leicht überstehenden Ränder ab.
Die erste Silikonabdichtung ringsherum ist aufgebracht und verschließt den Überstand der Siebdruckplatte (ca. 2mm) über dem Rand der Duschtasse.

3. Verschließen der Wandöffnung

Zum Verschließen der Öffnung zur Serviceklappe hatte ich ein Stück Holzplatte mit passendem Dekor. Dieses war entstanden, weil ich im Gepäckraum unseres Fahrzeugs eine Serviceklappe zum linken Staufach unter dem Bett eingebaut habe. Der dabei entstandene Ausschnitt passt farblich natürlich perfekt zum Bad. Wer das nicht hat muss auf was anderes zurückgreifen. In Baumärkten gibt es dafür verschiedene Materialien, z.B. auch Kunststoffplatten o.ä.

Passend zurechtgeschnitten und an den Schnittkanten mit Laminatband (das zum Aufbügeln) versiegelt. Dann wurde die Platte an den Rändern mit dünnen Streifen doppelseitigem Klebebands leicht vorfixiert. Von der Serviceklappe aus konnte durch die bereits vorhandenen Löcher (die vorher der Befestigung der Kassettentoilette dienten) unsichtbar verschraubt werden.

Anschließend habe ich sowohl badseitig als auch auf der Rückseite alles mit transparentem Silikon verfugt.

Rückseite gesehen durch die Serviceklappe. Alle Fugen mit transparentem Silikon nachgearbeitet. Hier sieht man bereits die Durchführung für den Abluftschlauch der BioToi samt verkabeltem Lüfter.

4. Neue Bodenplatte als Basis für die BioToi

Ich wollte die Biotoi sicher fixieren und gleichzeitig aber nicht komplett fest verschrauben. Es stand daher bereits frühzeitig fest, dass sie mit Magnetfüssen befestigt werden sollte. Und um das zu realisieren braucht es natürlich eine passende Bodenplatte. Die Biotoi selber ist ja aus Edelstahl und daher nicht magnetisch haftend.

Aus diesem Grund entschied ich mich für die Verwendung eines Stück verzinkten Stahlblechs. Das bekommt man ebenfalls für kleines Geld im Baumarkt. Es lässt sich mit einer Flex oder Stichsäge leicht bearbeiten und Magnete halten darauf hervorragend.

Ich habe also wieder eine Schablone aus Pappe erstellt. Für die Rundung an der Stirnseite verwendete ich den Ausschnitt der Siebdruckplatte. Danach wurde das Metallstück mit Flex und Stichsäge ausgeschnitten und gegen Korrosion mit Sprühfarbe (Hammerite) geschützt.

Das sind keine Flecken, es sind die Wolken die sich im nassen Lack spiegeln…

Diese Metallplatte habe ich dann in der Mitte mit doppelseitigem Klebeband versehen (extra strong, 150kg/m2 Haltekraft) und außen herum eine Linie Dekasil Dichtungskleber aufgebracht. Anschließend wurden im hinteren Bereich, dort wo die Platte zur Wand hin übersteht, noch Unterfütterungen zur Abstützung untergelegt. Dann kam die „Hochzeit“ und die Platte bildete den krönenden Abschluss des ganzen.

Silikonnähte und -fugen und ich werden in diesem Leben keine Freunde mehr. Meine Talente liegen eindeutig wo anders. Ich muss sie nur finden…

Dann habe ich alle verbleibenden Fugen mit Silikon ausgespritzt und in Form gebracht. Zumindest soweit ich das mit meinem Geschick hinbekommen habe. Mir war wichtig, dass es wasserdicht ist und etwaiges Spritzwasser z.B. vom Duschen, nicht in den Eingeweiden des Fahrzeugs verschwindet. Dass es optisch sicherlich noch besser geht ist mir bewusst. Aber wenn man nicht ganz genau hinschaut, geht es eigentlich. 😉

Fertig! Jetzt kann die Biotoi einziehen.

Natürlich habe ich alles 24h trocknen und aushärten lassen. Danach kam die Bohrung für den Abluftschlauch und den Schalter des Lüfters.

Auf der Unterseite der Biotoi sind bereits ausreichend Löcher vorhanden. Mit diesen ist die Montage von 4 gummierten Magnetfüßen (Amazon) sehr einfach. Die Gewindebolzen durchstecken, Unterlegscheibe, Polystoppmutter – fertig.

Jetzt stellt man die Biotoi nur noch auf das neue Podest und schließt den Schlauch der Abluft an die Kupplung an.

„Ready Player One“

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…. Mooooment! Fertig? Wirklich?

Bestimmt wird es jetzt Besitzer einer Biotoi geben die sagen „Das geht so nicht! Die Kurbel stößt doch hinten an die Wand wenn das WC so dicht daran steht!“

Und: sie haben damit recht.

Die Kurbel der Biotoi (ebenfalls aus Edelstahl) ist leider so lang, dass wenn man die Toilette wandbündig aufstellt, diese nicht mehr bedient werden kann. Ein Konstruktionsfehler? Nein, ich denke eher ein Flüchtigkeitsfehlerchen. Jedenfalls kein Beinbruch – wenn man einen 3D Drucker hat. 😀

„Kurze Sportkurbel“, funktioniert einwandfrei.

5. Fazit

Der Ausbau einer Chemietoilette und der Einbau einer BioToi Trockentrenntoilette in einen Kastenwagen aus dem Trigano-Konzern ist keine Raketenwissenschaft. Auch handwerklich talentfreie Menschen können das bewerkstelligen. Natürlich sollte man wissen was man tut, vor allem beim Anzapfen der Elektrik oder beim Wasser. Aber wer es schafft ein SOG-System einzubauen, der wird mit diesem Einbau keine Probleme haben.

Wer noch Fragen z.B. zu verwendeten Teilen oder Materialien hat oder wenn ich anderweitig helfen kann: einfach kommentieren oder Mail schreiben.

Link zur STL-Datei der kurzen „Sportkurbel“ 😉

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ulli Strathmeier sagt:

    Hallo Ollmann,

    sieht wirklich gut aus!

    Für mich interessant ist deine „Befestigung“ mit Magneten. Gleiches habe ich auch vor.
    Kannst du mir/uns verraten, welche Magnete zu verbaut hast?
    Und noch wichtiger, gibt es schon Erfahrungen hierzu?

    Gruß,
    Ulli

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    1. derOllmann sagt:

      Hallo Ulli,
      ich habe diese hier verwendet: 4 Stück Neodym Magnete Gummiert D43 mm Mit M6 Außengewinde 15 KG Zugkraft Flachgreifer Magnet Scheibe Topfmagnet Gummi Runde Magnete mit Gewinde für Schrauben Öse oder Haken https://amzn.eu/d/2LKgJm9
      Bisher funktioniert das einwandfrei.

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